Informationen zu
G.F. Händel
Chandos-Anthems

Mit einer Reihe von Werken wandte sich G. F. Händel einer in der Tradition der englischen Kirchenmusik zentralen Gattung der Vokalmusik zu, den sogenannten „Anthems“.

Als „Anthem“ gelten in der Regel englischsprachige Vokalkompositionen mit geistlichem Text, die in den Gottesdiensten der „Church of England“ verwendet werden.

Nach seinem vierjährigen Aufenthalt in Italien zog es den  jungen Händel bald in seine spätere Wahlheimat London, wo er 1717 für eineinhalb Jahre in die Dienste des ersten Herzogs von Chandos trat, der ihn als privaten Haus- und Hofkomponisten anstellte. Der Herzog von Chandos, der in unvorstellbarem Reichtum lebte, verfügte nicht nur über ein riesiges prachtvolles Anwesen und eine eigene Hauskapelle, die er mit Malereien und Dekorationen der berühmtesten Künstler seiner Zeit ausschmücken ließ, sondern auch über einen eigenen Chor und ein eigenes Orchester, das aus hervorragenden Musikern bestand. In dieser Zeit entstanden die wunderbaren sogenannten Chandos-Anthems, die Händel für dieses Ensemble schrieb.

In unserem Konzert werden von den elf Chandos-Anthems die letzten drei erklingen, die sowohl die größte Besetzung als auch den größten musikalischen Reichtum aufweisen. Die Textgrundlage der Anthems bilden Psalmen, die Händel selbst auswählte und neu zusammenstellte. Durch seine verblüffend genaue Bibelkenntnis konnte er die Texte und damit die in den Psalmen ausgedrückten Emotionen so auswählen, dass sie zur entscheidenden Grundlage seiner Kompositionen wurden. Auf diese Weise machte Händel in diesen frühen Werken nicht nur komplexe Erfahrungen mit der englischen Sprache sondern auch im Umgang mit Chor- und Ensemblemusik, deren Dramatik er in seine späteren Oratorien einbringen konnte.

Die Chöre sind erstaunlich vielseitig, ein Großteil der inneren Lebendigkeit besteht darin, dass die Bildlichkeit des Textes voll ausgeschöpft wird (beispielsweise das „Zerschmettern der Feinde“ oder die Darstellung eines „Gewitters“) und dass sich die akkordische und fugierte Klangfülle auf dramatische Weise gegenseitig durchdringt. So sind diese zu Unrecht so unbekannten Anthems Händels in ihrem facettenhaften Reichtum und ihrer glühenden, mitreißenden musikalischen Pracht eine wahre Entdeckung!
 

Michaela Prentl

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